tulpe—Blütenpflanze (Tulipa) aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae)
[1] Die Bezeichnung [bestimmter] im 16. Jahrhundert aus dem Vorderen Orient nach Europa eingeführten [Arten der] Blume taucht zuerst in Reiseberichten desselben Jahrhunderts vor allem als Tulipa(n) auf. Die Gartentulpe (Tulipa gesneriana) wird erstmals 1554 in einem Brief von Ogier Ghislain de Busbecq, ein im diplomatischen Dienst der Habsburgermonarchie stehender kaiserlicher Gesandter am Hofe Süleyman Ⅰ., in den neulateinischen Formen Tulipan ^(→ la) und Tulipanti ^(→ la) erwähnt. Diese zwischenzeitlich nach Mitteleuropa gebrachte Art wurde von Conrad Gesner in einem Sammelwerk von Valerius Cordus 1561 abgebildet, beschrieben und mit neulateinisch Tulipa ^(→ la) bezeichnet, die er 1559 im Augsburger Garten des Ratsherrn Heinrich Herwart gesehen hatte. Darin erwähnt Gesner auch, dass der Dresdner Arzt Johannes Kentmann eine andere Art während seiner Studienzeit 1549–1551 in Italien kennengelernt – also noch vor Busbecq – und eine Abbildung an Gesner geschickt habe; auch diese Art führte bereits die neulateinische Benennung tulipa ^(→ la), wobei türkische Kommilitonen diesen Namen auf das Perigon (flōs ^(→ la)) zurückführten, das die Form eines „pileoli Dalmatici“, eines ‚dalmatischen Käppchens‘ (pileolus ^(→ la)), habe (Dalmatien war damals schon größtenteils unter osmanischer Herrschaft). Nun war die Kopfbedeckung vornehmer Osmanen ein ziemlich spitz zulaufendes Käppchen mit einer bauschigen Umwickelung aus feinem, hellen Tuch (Seide, Musselin), passend für den Vergleich mit den spitz zulaufenden Perigonblättern der Gartentulpe. Die Blume heißt zwar im Osmanisch-Türkischen لاله (DMG: lālä, lāle; İA: lâle)^(→ ota), die Kopfbedeckung aber دلبند (DMG: dülbänd, dülbend; İA: dülbend)^(→ ota) (tülbent ^(→ tr) im modernen Türkisch). Letztere Bezeichnung wurde seit dem 16. Jahrhundert auch in vielfältigen Varianten in fast alle europäische Sprachen übernommen. Im Deutschen ist es erstmals 1572 in der Übersetzung eines Reiseberichts des französischen Geografen Nicolas de Nicolay in der frühneuhochdeutschen Form tulbant belegt und wurde als ‚großer heidnischer Bund‘ umschrieben (vergleiche die Benennung »Türkenbund« für Lilium martagon mit vergleichbarem Perigon). Weitere auf die neulateinischen Benennungen beruhende frühneuhochdeutsche Formen lauteten Tuliban, Tulipan (2. Hälfte des 16. Jahrhunderts) sowie Tulipane (2. Hälfte des 17. Jahrhunderts). Der gleichen neulateinischen Quelle entstammt französisches tulipe ^(→ fr), aus dem wiederum niederländisches tulp ^(→ nl) (älter tulpe ^(→ nl)) entlehnt ist. Durch niederländische Vermittlung erscheint in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts die neuhochdeutsche Form Tulpe, die später allgemein üblich wurde.