[ˈlaɪ̯zə]
OriginDas Wort geht über mittelhochdeutsches līse ^(→ gmh) (alemannisch mit Nasalinfix linse) auf das seit dem 9. Jahrhundert bezeugte althochdeutsche Adverb līso ^(→ goh) ‚sanft, sacht, langsam, schwach hörbar‘ zurück. Die weitere Herkunft ist unsicher. Es lässt sich vergleichen mit mittelniederdeutschem līse ^(→ gml), mittelniederländischem līse ^(→ dum) ‚schwach hörbar, sanft, sacht, langsam‘, südniederländischem lijs ^(→ nl) (auch substantiviert lijs ^(→ nl) ‚langsamer, träger Mensch‘), die sich – laut Pfeifer – alle verbinden lassen mit dem altenglischen Verb gelīsian ^(→ ang) / līsian ^(→ ang) ‚schlüpfen, gleiten‘, mit dem altsächsischen Komparativ lēs ^(→ osx), dem altenglischen Komparativ lǣs ^(→ ang), dem englischen Komparativ less ^(→ en) ‚weniger‘ und dem altenglischen Superlativ lǣst ^(→ ang), dem englischen Superlativ least ^(→ en) ‚am wenigsten‘ sowie mit krimgotischem lista ‚zu wenig‘. Sichere außergermanische Anknüpfungsmöglichkeiten finden sich nicht. Geht man jedoch davon aus, dass griechisches λιαρός (liaros^☆) ^(→ grc) ‚lau, warm, mild, gelinde‘ (aus *lisṛo-) und λοῖσθος (loisthos^☆) ^(→ grc) ‚Hinterster, Letzter‘ sowie litauisches liesas ^(→ lt) ‚mager, hager‘ und liesti ^(→ lt) ‚mager werden‘ auf gleicher Stufe mit den oben genannten stehen, kann von einer indoeuropäischen s-Erweiterung *leis-, *lois- der indoeuropäischen Wurzel *lei- ‚eingehen, abnehmen, mager, schlank‘ ausgegangen werden, die beispielsweise (mit anderer Stammbildung) in gotischem 𐌰𐍆𐌻𐌹𐌽𐌽𐌰𐌽 (aflinnan) ^(→ got) ‚ablassen, fortgehen‘ vorliegen könnte. Die Ausgangsbedeutung wäre dann ‚abnehmend, schwach‘. Demnach bezeichnet das Adjektiv anfänglich wohl die Sanftheit einer Bewegung, bald auch den schwachen Gehörseindruck und steht seit dem 17. Jahrhundert als Gegenwort zu laut.
- kaum hörbar
“Im Raum ist es sehr leise, man hört keinen Ton.”
“„»Come on«, rief er deshalb in einer etwas übertriebenen Lautstärke, die er sich eigens für die nach Herzlichkeit dürstenden Leute vom Kontinent angewöhnt hatte, und dann in einem Gefühl der Verbunden”
“„Es wurde mit aufgerissenen Augen leise und viel gesprochen und mit zugedrückten Augen leise und viel geweint.“”
- kaum wahrnehmbar, fast unmerklich, wenig spürbar
“„Der bläuliche Rauch hüllte beide arbeitende Geſtalten bald gänzlich ein, draußen vor den Fenſtern ſchien ſich das Wetter aufhellen zu wollen, Joſeph warf ab und zu einen Blick durch die Scheibe und m”
“„Plötzlich fühlte er ihre Hand leise auf der seinen.“”
“„Wir sitzen am Teetisch der Moslems, und der Würzgeruch des braunen Tranks mischt sich mit dem leisen Duft der Blumen vor uns.“”
- kaum ausgeprägt, von geringem Ausmaß, nur in Andeutungen
“Mich beschleicht der leise Verdacht, dass…”
“„Agrippa meinte, und Berenike erkannte gut die leise Warnung in seinem Scherz: ‚Aber unsre Urgroßmutter Mariamne zum Beispiel hat bei diesem Spiel den Kopf verloren.‘“”
“„Ohne aus der Zeitung aufzublicken, fragte er später beiläufig: Was ist denn das für ein Vogel gewesen? Er sagte Vogel, was Lila leise beleidigte.“”
Formsleis(variant) · leise(positive) · leiser(comparative) · am leisesten(superlative) · leiser(positive, nominative, strong, singular, masculine) · leise(positive, nominative, strong, singular, feminine) · leises(positive, nominative, strong, singular, neuter) · leise(positive, nominative, strong, plural) · leisen(positive, genitive, strong, singular, masculine) · leiser(positive, genitive, strong, singular, feminine) · leisen(positive, genitive, strong, singular, neuter) · leiser(positive, genitive, strong, plural) · leisem(positive, dative, strong, singular, masculine) · leiser(positive, dative, strong, singular, feminine) · leisem(positive, dative, strong, singular, neuter) · leisen(positive, dative, strong, plural) · leisen(positive, accusative, strong, singular, masculine) · leise(positive, accusative, strong, singular, feminine) · leises(positive, accusative, strong, singular, neuter) · leise(positive, accusative, strong, plural)